Porto Alegre (Karte 1, 2) ist die Landeshauptstadt von Rio Grande do Sul (RS), das südlichste unter den 26 Bundesländern Brasiliens, an der Grenze zu Uruguay und Argentinien (Land Karte). Rio Grande do Sul hat 10,2 Millionen Einwohner und erreicht jährlich einen Bruttoinlandsprodukt von über 95 Milliarden DM.
Sein Gebiet wird normalerweise in vier Regionen aufgeteilt:
a) die Südhälfte beschäftigt sich mit extensiver Viehzucht und modernem Reisanbau und ist wegen der grossen Zahl von Grossgrundbesitzern bekannt;
b) der Nordwesten ist dagegen von der grossen Zahl von Kleingrundbesitzern geprägt; seine Wirtschaft stützt sich auf dem Anbau von Mais, Soyabohnen und Obst neben der Milchviehzucht und der Industrie die sich in dieser Region schnell entwickelt;
c) in der “Serra” findet man den Tourismus von Gramado und Nova Petrópolis und moderne Fabriken, wie z. B. “Marcopolo” (Karosserien) und “Tramontina” (Besteck), die ihre Waren ins Ausland liefern;
d) das Ballungsgebiet von Porto Alegre konzentriert die Dienstleistungen, die Lederwarenindustrie und die Petrochemie.
So wie die Bewohner der Pampas in Uruguay und Argentinien, werden die Bewohner von Rio Grande do Sul als “Gauchos” bezeichnet. Die heutigen “Gauchos” sind das Ergebnis einer Mischung von verschiedenen Völkern. Zur Zeit der Entdeckung Brasiliens im Jahre 1500 trafen die Portugiesen auf verschiedene Indianerstämme. Portugiesen und Spanier haben Südamerika, einschliesslich Brasilien, geteilt: nach dem Vertrag von Tordesillas (1494) stand das heutige Gebiet von Rio Grande do Sul den Spaniern zu. Jedoch waren es die Portugiesen, die das Land entgültig erobert haben. Im 18. Jahrhundert wurden für Grossschlachthöfe zur Herstellung von gesalzenem Dörrfleisch (“charque”) Neger aus Afrika als Sklaven eingeführt. Im 19. Jahrhundert kamen die Einwandere aus West- und Osteuropa: Deutsche, Italiener, Polen, Russen, Ukrainer, Schweden und Juden. Alle diese Neuankömmlinge haben ihre eigenen Traditionen beibehalten, haben aber ebenfalls die schon vorhandene “Gauchokultur” übernommen. Spezielle Merkmale dieser Kultur sind der “chimarrão” (Tee) und der “churrasco” (Spiessbraten). Sie wird in den sogenannten “CTGs – Centro de Tradições Gaúchas” gepflegt, wo viele mit ihren Trachten am Wochenende zum Tanzen gehen. Unter den bekanntesten Volkstänzen stehen die “Chimarrita” und der “Pezinho”.
Die Hafenstadt Porto Alegre liegt am linken Ufer des Guaíbasee, 100 Km von der atlantischen Küste entfernt. Der Guaíba wird von fünf Flüssen (Jacuí, Taquari, Caí, Sinos und Gravataí) gebildet und mündet in die grosse See “Lagoa dos Patos”, die Zugang zum Atlantik hat. Die Gemeinde Porto Alegre hat ungefähr 1,3 Millionen Einwohner und erwirtschaftet jährlich einen Bruttoinlandsprodukt von über 16 Milliarden DM. Das Ballungsgebiet von Porto Alegre schliesst 23 Gemeinden ein und hat ungefähr 3,5 Millionen Einwohner.
In Brasilien präsentiert
sich Porto Alegre:
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als die Stadt mit den besten Lebensbedingungen unter allen
Bundesländerhauptstädten,
gemessen nach dem Index der UNO;
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als Kulturzentrum des MERCOSUL;
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wegen ihren hohen Investitionsmöglichkeiten (gemäss dem “Trevisan”-Beratungsbüro);
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als die Stadt mit den grössten Grünflächen: 700 Plätze, 2 biologische
Reserven und 7 Parks;
Ihre Geschichte beginnt um 1740, als ein kleiner Hafen am Guaíba eingerichtet wurde um die Verbindungen nach Viamão, damals die wichtigste Ortschaft der Provinz, 15 Kilometer entfernt, zu verbessern. Deshalb wurde sie anfangs als “Porto de Viamão” getauft. Nach der Ankunft von 60 azorianischen Ehepaare (aus den Azoren, im Atlantik) wurde sie auf “Porto dos Casais” umbenannt.
Seit 1773 ist Porto Alegre der Regierungssitz der Provinz bzw. des Bundeslandes. Der erste Regierungssitz war Rio Grande: seit der Einrichtung der Provinz im Jahre 1750 bis zur Eroberung der Stadt von seiten der Spanier in 1763. Aus Sicherheitsgründen wurde dann Viamão gewählt (von 1763 bis 1773).
Der französische Biologe Saint-Hilaire hat die Stadt 1820 besucht und viele Stellen die heute noch wiederkennbar sind beschrieben (Westen, Norden und Suden) . Der Platz vor der Igreja Matriz z. B., von wo er einen schönen Ausblick hatte, ist heute noch der Zentralpunkt der Stadt. Um diesen Platz herum befinden sich die Kathedrale der Katholischen Kirche, das Staatstheater São Pedro und die Hauptsitze der Landesregierung: Exekutive (“Palácio Piratini”), Legislative (“Palácio Farroupilha”) und Landesgericht (“Palácio da Justiça”).
Mehr als 20% der Familienväter haben eine Hochschule oder einer Universität besucht. Zwei grosse Universitäten haben hier nämlich ihr Sitz: die öffentliche “Universidade Federal do Rio Grande do Sul – UFRGS” und die private “Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul - PUCRS”. Die UFRGS wird als eine der drei besten brasilianischen Universitäten bewertet. Im Ballungsgebiet von Porto Alegre befinden sich noch zwei private Universitäten (ULBRA, in Canoas, und UNISINOS, in São Leopoldo) und mehrere andere Hochschulen.
Sportlich ist Porto Alegre durch seine zwei Fussballvereine bekannt: Grêmio, mit blau-schwarz- weissem Trikot, und Internacional, mit rot-weissem Trikot. In den letzten dreissig Jahren haben beide Vereine die brasilianische Bundesliga (Internacional dreimal und Grêmio zweimal) und den brasilianischen Pokal (Internacional einmal und Grêmio dreimal) mehrmals gewonnen. Grêmio wurde auch schon zweimal Meister des südamerikanischen Pokals “Copa Libertadores” und hat sogar die Weltmeisterschaft 1983 in Tokio durch den Sieg über den Hamburger SV gewonnen.
Unter den hier angesiedelten Unternehmen befinden sich die VARIG (die wichtigste brasilianische Fluggesellschaft), Gerdau (Grosskonzern der Eisen- und Stahlindustrie), Ipiranga (Ölraffinerie) und RBS (Fernsehen-, Radio- und Zeitungsunternehmen). Ab August 2000 wird der amerikanische Konzern General Motors - GM in Gravataí, im Ballungsgebiet von Porto Alegre, Autos herstellen. Der amerikanische Computerhersteller “Dell Computers” wird sich noch in diesem Jahr in Alvorada ansiedeln..
Regen Handel findet man auf einigen Strassen, wie z.B. die Rua da Praia, und in Einkaufszentren wie Iguatemi und Praia de Belas. Grosse Krankenhäuser ("Santa Casa” , HCPA und “Moinhos de Vento”, früheres Deutsches Krankenhaus) pflegen für die Gesundheit der Bevölkerung.von Porto Alegre und auch von anderen Regionen des Bundeslandes. Die Geschichte der Stadt ist noch an mehreren Gebäuden wie die “Dores”-Kirche ablesbar. Der berühmte Sonnenuntergang kann am besten am "Ipanema"-Strand besichtigt werden. Die Bildung des MERCOSUL ab 1991 hat den Bau von mehr als 20 neue Hotels stimuliert.
Seit 1989 wird Porto Alegre von der Arbeiterpartei (“Partido dos Trabalhadores”) verwaltet, die auch 1998 für die Landesregierung gewählt wurde.
Mehrere Informationen über diese freundliche Stadt (“cidade sorriso”) finden Sie auch noch auf den Seiten die in der "câmera 3" dieser Seite WCAMS angegeben sind.
(prof. Dr. Luis Roque Klering und prof. Dr. Eugênio Lagemann, UFRGS)